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20 Jahre Regio-Messgruppe

Zwischen Drägerröhrchen und Computersimulation

Vor 20 Jahren wurde in einem grenzüberschreitenden Zusammenschluss von acht Feuerwehren die Regio-Messgruppe gegründet. Damit lassen sich flächendeckend Stoffe und Gefahren im ABC-Bereich erkennen.

Dank modernster Technik können allfällige Folgen für die Einsatzkräfte und die Bevölkerung sehr schnell abgeschätzt werden.

Dicke Rauchwolken über Basel, rotes Löschwasser im Rhein, es stinkt nach «faulen Eiern». Die Bilder der Schweizerhalle-Katastrophe vom 1. November 1986 sind immer noch allgegenwärtig. Damals gab es weder eigene Messfahrzeuge, noch ausgereifte Technik für Messeinsätze. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich jedoch einiges getan.

Zweiter Umweltschock

Nach dem zweiten Umweltschock nach Tschernobyl binnen eines Jahres begann man auf Initiative der Chemie noch 1986 mit ersten Gesprächen und Überlegungen, die damalige Situation für die Feuerwehren zu verbessern. Richtig angepackt wurde dann das Thema 1987. 1988 wurde die Regio-Messgruppe offiziell gegründet. 20 Jahre später sind acht Messgruppen von verschiedenen Feuerwehren zusammengeschlossen, weitere vier Messgruppen können bei Bedarf nachgefordert werden.

Mitglieder der Regio-Messgruppe

Die Feuerwehren der Roche Basel und Roche Kaiseraugst, Johnson Controls Basel und Schweizerhalle, Clariant AG Muttenz, SI Group Switzerland Pratteln, Feuerwehr Weil am Rhein und Feuerwehr Lörrach haben eigene Messgruppen, die zur Regio-Messgruppe zusammengeschlossen sind.

Des Weiteren verfügen die Feuerwehren von Ciba Grenzach, DSM Grenzach, DSM Village Neuf und FW St. Louis (letztere beide Frankreich) über Messgruppen, die zwar nicht im Zusammenschluss organisiert sind, aber trotzdem aufgeboten werden können. Die Werkfeuerwehren übernehmen auch die Messtätigkeiten für die Berufsfeuerwehr Basel im Stadtgebiet. Durch diese Organisation lässt sich auch ein grösseres Ereigns bewältigen, denn die einzelnen Einheiten sind flexibel und unabhängig voneinander einsetzbar.

Grenze geöffnet

Ereignet sich im Grossraum Basel oder Lörrach ein Feuer oder Gefahrgutunfall, kann die betreffende Alarmzentrale die für den Einsatzort bestimmte Messgruppe aufbieten. Die alarmierte Messgruppe bietet je nach Bedarf in Absprache mit dem Einsatzleiter weitere Regio-Messgruppen auf und ist dann für die Leitung des gesamten Messeinsatzes verantwortlich. Auf den umfangreichen Stadt- und Landkarten der Region sind Messpunkte vordefiniert. Die Einsatzleitung kann so einer Messgruppe einzelne Messpunkte zuweisen, die direkt angefahren und autonom abgearbeitet werden. Falls der Einsatzort im Nachbarland liegt, werden nach Alarmierung die Grenzwachen informiert, die dann den Zollbereich für die rasche Durchfahrt der Einsatzfahrzeuge freihält.

Verschlüsselung

Damit nicht geografische Messpunkte via Funk übermittelt werden müssen, sind in den Ortskarten kodierte Messpunkte eingetragen. Dies erleichtert einerseits die Kommunikation und unterbindet Missverständnisse, andererseits können keine falschen Rückschlüsse von Aussenstehenden gemacht werden.

Messen, identifizieren, Gefahren erkennen

Oberstes Ziel der Messgruppen ist die Sicherheit der Einsatzkräfte und der Bevölkerung.

Die grösste Gefahr für die Einsatzkräfte besteht beim Vorhandensein einer Explosionsgefahr. Zu den Sofortmassnahmen der Messgruppen gehört daher das Abklären der Explosionsgefahr im Einsatzgebiet.

Die Messgeräte der Messgruppen wurden nach dem Kriterium der akuten Gefährdung ausgewählt. Das heisst, die Messgeräte ermöglichen eine schnelle Aussage darüber, ob eine akute (tödliche) Gefahr für Menschen besteht oder nicht. Nicht immer kann ein Stoff innerhalb nützlicher Frist eindeutig identifiziert werden, da es nicht für jede Chemikalie ein direkt anzeigendes Messgerät gibt. Hier behilft man sich der sogenannten «Negativmessung». Man versucht, mit den vorhandenen Messgeräten hochtoxische Substanzen (z. B.Kampfstoffe, chemische Verbindungen der Gefahrenklasse T+) oder sehr hohe Konzentrationen anderer Substanzen auszuschliessen.

Somit erhält man schon relativ schnell eine Aussage, ob eine akute Gefahr besteht. Die erhobenen Messdaten ermöglichen der Einsatzleitung, den taktisch richtigen Entschluss zu treffen und die notwendigen Massnahmen zur Dekontamination und Entsorgung einzuleiten. Weitere umfangreiche Abklärungen von Gefahrstoffen, besonders von sichergestellten Mustern, übernimmt das Kantonale Labor, welches mit den entsprechenden stationären Analysegeräten ausgerüstet ist.

Die Technik Die notwendigen und in Gebrauch stehenden Gerätschaften sind unter den Messgruppen harmonisiert. Zur Ausrüstung gehören Kommunikationsmittel, Nachschlagewerke, Explosions- und Sauerstoffmessgeräte, C-Kampfstoff-Nachweisgeräte, ein Roche-Koffer I (Schadstoffidentifikation) und ein Roche-Koffer II (Spurensicherung), Atemschutzgeräte, Schutzkleidung und eine Vielzahl an Messröhrchen zur Ausrüstung.

Die Werkfeuerwehren Roche Basel, Johnson Controls Basel und Johnson Controls Schweizerhalle verfügen zudem auf ihren Messfahrzeugen über ein computergestütztes Schadstoff-Simulationsprogramm namens «SAFER» (Systematic Approche For Emergency Response). Mithilfe der aktuellen Wetterdaten, der chemischphysikalischen Daten des Schadstoffes und der Freisetzungsparameter (Quellstärke, Freisetzungshöhe, Dauer usw.) errechnet das System, welches Gebiet wann, wie lange und mit welcher ungefähren Konzentration betroffen ist. Zu diesem Zweck ist der Computer an drei Wetterstationen angeschlossen, welche via GSM-Funkverbindung die Wetterdaten aus der Region Basel einspeisen. Auf dem System sind auch sämtliche Areal-, Stadt- und Umgebungspläne sowie die regionale Topografie und das Windfeld hinterlegt. Gerät zur Bestimmung von Feststoffen Die meisten Messgeräte sind für den Nachweis von Gasen und Dämpfen ausgelegt. Bis vor Kurzem fehlte noch ein Gerät zur Identifikation von Feststoffen und Flüssigkeiten. Mit der Beschaffung eines sogenannten Raman-Laser-Spektrometers wurde nun auch diese Lücke weitgehend geschlossen.

Die Geräte finden sich auf den Messwagen der Messgruppe Roche Basel und Johnson Controls schweizerhalle. Des Weiteren steht der Messgruppe Roche ein Scanner (Gefahrstoff-Detektoren-Array) zur Detektion von Gefahrstoffen zur Verfügung. Das Gerät dient der qualitativen und quantitativen Identifikation von Stoffen, wobei Querempfindlichkeiten, welche bei anderen Messgeräten auftreten können, teilweise eliminiert werden. Mit ihm können unter anderem auch chemische Kampfstoffe sehr selektiv nachgewiesen werden. Dies wurde bereits bei militärischen Tests bewiesen.

Roche-Koffer I und II

Ein besonderes Messgerät stellen die sogenannten Roche-Koffer dar. Diese wurden vor ca. 20 Jahren von Analytikspezialisten der Firma F. Hoffmann-La Roche entwickelt.

Der Roche-Koffer I besteht aus 20 Messröhrchen, welche so ausgesucht wurden, dass sie alle Stoffklassen abdecken und bei unklaren Situationen (Freisetzung unbekannter Stoffe, Brände usw.) einen Hinweis geben, welche Stoffe oder Stoffgemische bei der Freisetzung beteiligt sind.

Somit erhält man im Minimum die Aussage, dass es sich z.B. um ein Alkohol oder um ein Amin handelt und wie im weiteren Einsatzverlauf damit umzugehen ist. Erste Ergebnisse liegen dann in zehn Minuten vor, die Gesamtauswertung dauert 30 Minuten.

Der Roche-Koffer II dient der Spurensicherung. Er besteht aus zehn Absorptionsröhrchen und zehn Filtern. Damit kann im Ereignisfall eine Probenahme von Dämpfen/Gasen/Aerosolen und Stäuben gemacht werden. Eine Analyse muss aber anschliessend in einem Labor erfolgen und kann einige Tage in Anspruch nehmen.

Ausbildung und Einsatz

Die Angehörigen der Messgruppe müssen Grundkenntnisse in Chemie mitbringen und atemschutztauglich sein. Sie werden zusätzlich in der Handhabung der Spezialgeräte ausgebildet. Darüber hinaus besuchen sie Spezialistenkurse in Form eines kantonalen dreitägigen Messgruppen-Einführungskurses und eines  einwöchigen Spürkurses für die Strahlenwehr am Paul Scherrer Institut (PSI). Die Messgruppen werden jährlich zu 80 bis 100 Einsätzen aufgeboten.

Niklaus Lerch, Redaktion
Quelle: Schweizerische Feuerwehr-Zeitung